Spannungskopfschmerzen

Was Spannungskopfschmerzen auslöst, wie sie entstehen und wie Osteopathie helfen kann. Ursachen, Symptome und Einordnung.

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Spannungskopfschmerzen sind ein sehr weit verbreitetes Krankheitsbild

Gerade in der heutigen Zeit sind Spannungskopfschmerzen eine der häufigsten vorkommenden Kopfschmerzarten. In vielen Fällen beginnen sie am Übergang des Nackens in den Kopf und ziehen, einseitig oder beidseitig weiter Richtung Stirn. Ein Grund für die ansteigenden Patientenzahlen mit Spannungskopfschmerzen ist die exzessive Nutzung von zweidimensionalen Medien, speziell von Mobiltelefonen und Tablets. Zudem spielt die zunehmende Bewegungslosigkeit unserer Gesellschaft eine große Rolle.

Die Fallzahlen in unserer Praxis deuten darauf hin, dass eine Osteopathiepraxis, die sich ausschließlich auf dieses Symptombild konzentrieren würde, sicher große Chancen hätte sehr erfolgreich zu sein.

Spannungskopfschmerzen werden hauptsächlich von Muskel- und/oder faszialen Zügen auf die Schädelkalotte hervorgerufen

Der Schmerz, den die PatientInnen spüren wird nicht durch Hirngewebe verursacht. Unsere Neuronen besitzen keine Schmerzrezeptoren. Die Schmerzen werden durch die harte Hirnhaut (Dura Mater) hervorgerufen, die sehr engmaschig mit Schmerzrezeptoren durchzogen sind. Wird also diese unter Druck oder Spannung gesetzt, reagieren diese Rezeptoren sehr schnell mit Schmerzsignalen. Die Schmerzintensität kann von leichtem bis zu unerträglichem Schmerz reichen, die Häufigkeit der Schmerzepisoden geht von seltenen bis zu chronischen Schmerzzuständen. 

Wie aber kommt die Spannung von den Knochen des Schädels (genauer gesagt des Neurocranium) in die Dura Mater?

Die Dura Mater ist die innere Knochenhaut der Knochen der Schädelkalotte

Die harte Hirnhaut hat zwei Blätter, die aufeinander liegen, das Stratum Periostale und das Stratum Meningeale.  Die äußere Haut (Stratum Periostale) ist fest mit den Knochen des Neurocranium verbunden. Sie übernimmt also die Funktion der inneren Knochenhaut der Knochen des Neurocraniums (dieser Bereich der Knochen steht in direkter Verbindung mit dem Hirn). 

Dieses Blatt ist sehr stark von Schmerzrezeptoren (Nozirezeptoren) durchzogen. Wird also ein Knochen dauerhaft unter Spannung gesetzt (z.B. durch einen der posterioren Kopfmuskeln, wie z.B. durch den Musculus Trapezius), wird gleichzeitig die Dura Mater an dieser Stelle gedehnt. Ab einer gewissen Spannungsintensität werden die Schmerzrezeptoren im Duragewebe aktiviert, daher spüren PatientInnen Schmerzen. 

Die Symptomatik des Spannungskopfschmerzes ist entstanden

Und genau jetzt wird es spannend für die OsteopathInnen: Was kann die Muskelspannung hervorgerufen haben? Gibt es Zusammenhänge zwischen den „ziehenden“ Muskeln und anderen in der Anamnese geäußerten Sympthomatiken oder den Untersuchungsergebnissen?

Um Spannungskopfschmerzen nachhaltig behandeln zu können müssen sich OsteopathInnen auf die Suche nach der Ursache begeben. Hierzu ist die vollumfängliche Anamnese und die körperliche Untersuchung von Kopf bis Fuß unerlässlich.

Muskelspannungen haben verschiedene mögliche Ursachen

Die Hauptursache sind Haltungsschäden, auf diesem Bild seht ihr die perfekte Haltung anhand eines menschlichen Skeletts:

Anatomische Illustration des menschlichen Skeletts


Die Falllinie verläuft vom Ohrloch über den Oberarmkopf, den Oberschenkelkopf (Trochanter major) bis zur lateralen Malleole des Fußes (der hervorstehende Knochen seitlich des Sprunggelenks).

In der Frontalsicht sind die Linien, die durch die Ohrlöcher, den Schultergürtel (Orientierungspunkt z. B. der äußere Rand des Schulterdachs) und das Becken (Orientierungspunkt der obere Rand des Beckenkamms) verlaufen, bei einem optimal ausgerichteten Menschen horizontal.

Weicht die Haltung eines Menschen von dieser optimalen Position ab, muss der Muskelapparat korrigierend eingreifen. Die Muskeln, die am Kopf am Neurocranium ansetzen, können dann die beschriebene Symptomatik hervorrufen. Dies ist unter anderem der Fall, wenn sich die Ohrlöcher vor der Falllinie befinden. In diesem Fall ist speziell die Nackenmuskulatur in die Kompensationsarbeit involviert.

Die Ursachen für diese Haltungsschäden müssen Osteopath:innen ergründen. Sie können aus Alltagsbelastungen stammen, etwa durch berufliche Tätigkeiten oder Hobbys mit ständig wiederkehrenden Bewegungen oder Belastungen. Typische Muster finden wir beispielsweise bei Zahnärzt:innen, Modellbauer:innen etc. Oft finden wir auch Fälle, bei denen durch falsches Training Muskeldysbalancen entstehen, die die Statik des Körpers verändern. Das exzessive, einseitige Training der Brust- und Bizepsmuskulatur ist ein uns allen bekanntes Beispiel für ungesundes Training im Sinne der Körperstatik.

Aber auch chronische Erkrankungen oder Operationen führen häufig zu Kompensationshaltungen, die die Statik der Patient:innen negativ beeinflussen. Speziell chronische Erkrankungen des Dünndarms oder die Entfernung der Gebärmutter kommen als mögliche Ursachen einer kompensatorischen Verschiebung der Statik in Betracht.

Die strukturierte Anamnese und Untersuchung führt uns zu den Ursachen

Folglich beginnt jede osteopathische Untersuchung mit der Anamnese und globalen Tests, um zu analysieren, in welchem Bereich des Körpers wir die Ursache des Spannungskopfschmerzes am wahrscheinlichsten finden. In der Praxis entdecken wir die häufigsten Ursachen für Spannungskopfschmerzen im Bereich des Hals- und Schultergürtels. Hier sind wir wieder bei der exzessiven Nutzung von Computern, Mobiltelefonen und Tablets. 

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Dennoch liegen die Ursachen für Spannungskopfschmerzen häufig auch in weiter vom Kopf entfernten Regionen. Über Muskel- und Faszienketten werden Raumforderungen, Bewegungseinschränkungen und Elastizitätsdefizite aus den ursächlichen Strukturen bis hin zu den Knochen des Neurocraniums weitergeleitet und rufen dort die Kopfschmerzen hervor. Spannend, oder? 

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