Schultergelenk Schmerzen, das kann bös enden
Rein medizinisch reden wir über Schulterschmerzen, wenn das Glenohumeralgelenk Auslöser des Schmerzes ist. Der häufigste Auslöser dieser Schultergelenkschmerzen ist das sogenannte Impingement Syndrom, was übersetzt heißt „Einklemmungs Syndrom“. Schmerzsympthomatiken bei Schultergelenksarthrosen sind dagegen im Praxis Alltag eher selten zu finden.
Allerdings berichten Patienten oft auch von „Schulterschmerzen“, deren Ursache Probleme mit dem Acromeoclavicular sind. Folglich ist eine genaue Anamnese und eine präzise Untersuchung Voraussetzung dafür, das Problem zu lösen.
Das Glenohumeralgelenk
Das Glenohumeralgelenk ist das beweglichste Gelenk im Körper des Menschen. Daher sind viele Muskeln in die Bewegung involviert. Insgesamt bewegen 11 Muskeln den Oberarm direkt und weitere 4 indirekt.
Grundsätzlich können alle diese Muskeln bei Überlastung Schulterschmerzen an ihren Sehenansätzen hervorrufen. Beim Impingement Syndrom sind zwei der Muskelsehnen, die Sehne des M. Supraspinatus und die Sehne des Bizeps, Caput Longum, in Mitleidenschaft gezogen. Sie verlaufen in dem Gelenkspalt zwischen Acromeon und Humeruskopf. Ist dieser Spalt zu eng, werden die Sehnen dauerhaft komprimiert und reiben bei jeder Bewegung entlang der knöchernen Strukturen. Die durch diese mechanische Belastung entstehenden Mikroverletzungen können schlußendlich zu Sehnenrupturen führen.
Zudem befindet sich in diesem Gelenkspalt die Bursa Subdeltoidea, ein Schleimbeutel, der den Gleitvorgang der knöchernen und Weichteil Strukturen innerhalb des Gelkenkspaltes bei der Abspreizen des Oberarms „schmiert“. Dieser Schleimbeutel kann sich bei Verengung des Gelenkspaltes entzünden, was Schmerzen verursacht.
Beide Sympthomursachen haben einen gemeinsamen Namen, nämlich Impingement Syndrom.
Dieser Mann zeigt die typischen Anzeichen eines Impingement Syndroms an. Versucht er den Arm über die Waagerechte hinweg nach oben zu bewegen, spürt er einen Schmerz. Ist der Schmerz bei jeder Bewegung spürbar, spricht es für eine Entzündung des Schleimbeutels. Der Schmerz ist eher dumpf.

Fühlt sich der Schmerz eher spitz an, und ist er nicht bei jeder Bewegung spürbar, werden durch die Dauerreibung eher die Sehnen des M. Biceps caput longus und M. supraspinatus verletzt.
Das folgende Bild zeigt eine entzündete Bursa subdeltoidea. Die ebenfalls dargestellte Supraspinatussehne zeigt sich in diesem Fall unverletzt.

Ziel der Behandlung des Impingement Syndroms ist es, den Gelenkspalt zwischen Akromeon und Humeruskopf zu weiten. Wichtig bei diesen Techniken ist es, beispielsweise durch die entgegengesetzte Seitneigung des Kopfes bei der Mobilisation des Humerus nach inferior, sicherzustellen, dass die Mobilisation effektiv am Gelenkspalt ansetzt. Passiert das nicht, mobilisieren wir den Schultergürtel als Gesamtes, verbessern das Impingement aber nicht.
In vielen Fällen haben sich die entzündlichen Prozesse über die Zeit auf die Gelenkkapsel des Glenohumeralgelenks übertragen, was zu einer Capsulitis und einer darauf folgenden Verstarrung des Kapselgewebes führen kann. In diesen Fällen wenden wir zusätzlich Techniken zur Kapseldehnung an. Diese sollten zum Zeitpunkt der akuten Capsulitis eher sanft ausgeführt werden.
Die Entzündung kann sich faszial auch in die Muskelfaszien der Oberarmmuskulatur fortsetzen. Patienten beschreiben in diesen Fällen eine Schmerz, der bis hin zum Ellenbogen und darüber hinaus spürbar ist.
Die Behandlung eines Impingement Syndroms bedarf Zeit und sollte multimodal erfolgen. Eine zeitlich begrenzte Medikamentengabe durch den Facharzt, regelmäßige osteopathische und eventuell physiotherapeutische Behandlung, sowie konsequente Übungen, die die Patient:Innen in eigener Regie ausführen, sind der Weg zum Erfolg.
Und wenns kein Impingement ist?
Die zweite recht häufige Ursache für Schulterschmerzen sind Einschränkungen des acromeoclavicular Gelenks. Ist dieses Gelenk in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, berichten Patient:Innen selten von spürbaren Bewegungseinschränkungen.
Symptome sind Schmerzen, z. B. wenn die Patient:Innen nachts auf der betroffenen Seite liegen, oder bei Bewegungen, die mit Schwung ausgeführt werden.
Ursache für eine Problematik innerhalb des arcromeoclavicular Gelenks sind meistens traumatische Episoden. Der überambitionierte Aufschlag beim Tennis, der harte Golfschlag in den Boden, der Griff in den Wurfarm beim Handball oder Stürze, die mit dem ausgestreckten Arm abgefedert werden, können dieses Gelenk verletzen.
Sind die Bänder verletzt oder gar gerissen, kann eine Operation unumgänglich sein. Sind die Bänder lediglich durch eine kleine Verschiebung der Clavicula, relativ zum Acromeon angespannt, können wir sie durch Mobilisationstechniken oder Thrust Techniken repositionieren.
Ein wichtiger Hinweis aus dem Praxisalltag ist der Zusammenhang zwischen Dysfunktionen (Bewegungseinschränkungen) des acromeoclavicular Gelenks und sich aufbauenden Läsionsketten. Oftmals werden die Bewegungseinschränkungen genau dieses Gelenks nicht wahrgenommen und rufen bei den Patient:Innen auch keine Schmerzen hervor.
Allerdings muß der Körper trotzdem bei z. B. der tiefen Ein und Ausatmung (die Clavicula bewegt sich physiologisch in eine anteriore und posteriore Rotation), bei der Bewegung Elevation und Retraktion des Arms (das Akromeon bewegt sich in eine posteriore und anterior Rotation) die fehlende Beweglichkeit kompensieren. Dadurch, dass die Clavicula Ansatzpunkt einer Vielzahl von Muskeln, die sowohl in Richtung Arm, Kopf und Brustkorb ziehen, ist, können sich Läsionsketten in alle Richtungen entwickeln.
Das Gleiche gilt für das Acromeon, welches Teil des Schulterblattes ist. Durch eingeschränkte Beweglichkeit des acromeoclavicular Gelenks bauen sich auch hier über die Zeit potentiell Läsionsketten entlang der posterioren Muskelketten, ausgehend vom Schulterblatt auf.
Dysfunktionen des knöchernen Beckens, Bewegungseinschränkungen der thorakalen Brustwirbelsäule können beispielsweise Folgen dieser Läsionsketten sein.
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- Video: „Behandlung Glenouhumeral Gelenk Mobilisations Technik“
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- Video: „Behandlung Glenouhumeral Gelenk in Superiorität Mobilisations Technik“
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