Praxisfall: Der unerfüllte Kinderwunsch
Ein osteopathischer Blick auf Durchblutung, Gewebespannung und Einnistung
Dieser Praxisfall war aus zwei Gründen besonders.
Zum einen erfordert der Umgang mit Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch ein hohes Maß an Sensibilität. Für betroffene Paare ist diese Situation oft emotional extrem belastend.
Zum anderen vereinbarte die Patientin den Termin ursprünglich nicht wegen ihres Kinderwunsches, sondern aufgrund lumbaler Rückenschmerzen.
Darum ist die Anamnese so wichtig
Bei der Anamnese berichtete die Patientin, dass sie Dirigentin sei und durch das lange Stehen am Pult immer wieder Schmerzen im Bereich der lumbalen Wirbelsäule habe. Normalerweise hätten warme Umschläge und eine Wärmflasche schnell Linderung verschafft. In diesem Fall quälten sie die Beschwerden jedoch bereits seit drei Wochen.
Alle weiteren Punkte der Anamnese waren unauffällig. Die Patientin hatte weder Operationen noch Unfälle erlebt und berichtete auch nicht über chronische oder wiederkehrende Erkrankungen. Die Laborbefunde seien unauffällig gewesen. Außer den Rückenschmerzen habe sie keinerlei Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen gehabt. Kopfschmerzen träten nur selten auf, die Verdauung sei intakt und energetisch fühle sie sich gut.
Erst bei der Frage nach Medikamenten erwähnte sie Hormone, die sie über einen längeren Zeitraum eingenommen, inzwischen jedoch wieder abgesetzt habe. Auf Nachfrage erklärte sie, dass sie vor kurzer Zeit einen Abort erlitten habe. Sie habe bereits drei In-vitro-Befruchtungen hinter sich und auch diesmal habe sich die Frucht nicht dauerhaft entwickelt.
Was passiert bei einer in-Vitro-Befruchtung genau
Bei einer In-vitro-Fertilisation wird der Eisprung hormonell ausgelöst. Anschließend werden die unreifen Eizellen aus den Eierstöcken entnommen. Im Labor werden die Eizellen mit den Spermien befruchtet und anschließend für einige Tage in einem Inkubator kultiviert.

Nach etwa fünf bis sechs Tagen erreicht der Embryo das Stadium der Blastozyste.
Dieses Entwicklungsstadium entspricht dem Zustand, den ein Embryo auch bei einer natürlichen Befruchtung erreicht, bevor er sich in die Gebärmutterschleimhaut einnistet.
Die Einnistung der Blastozyste
Während der Einnistungsphase dockt die Blastozyste an die Gebärmutterschleimhaut an und beginnt langsam in diese einzusinken. Dabei spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle.
Zum einen muss die Schleimhaut ausreichend aufgebaut und gut durchblutet sein, damit der Embryo optimal einwachsen kann. Hierfür produziert der sogenannte Corpus luteum das Hormon Progesteron.
Da die natürliche Gelbkörperfunktion im Rahmen einer IVF häufig beeinträchtigt ist, muss Progesteron meist medikamentös substituiert werden.
Zum anderen muss die Blutversorgung der Schleimhaut optimal funktionieren. Nach der Einnistung wird die Blastozyste über das Kapillarsystem der Gebärmutterschleimhaut versorgt.
Ist die hormonelle Versorgung unzureichend oder die Schleimhaut nicht ausreichend durchblutet beziehungsweise nicht aufnahmefähig genug, kann sich der Embryo nicht weiterentwickeln. In der Folge kann es zu einem Abort kommen.
Voraussetzungen für eine gute Durchblutung der Gebärmutter
Aus osteopathischer Sicht ist eine optimale Gewebedurchblutung Voraussetzung für die Homöostase. Gewebe, das durch Spannungen oder Druck angrenzender Strukturen beeinflusst wird, kann in seiner Versorgung beeinträchtigt werden. Dabei müssen sowohl arterielle als auch venöse und lymphatische Zu- und Abflüsse frei funktionieren.
Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Ligamentum latum uteri. Es umgibt den Uterus wie eine Hülle und verbindet ihn mit der lateralen Beckenwand. Dabei steht es in enger Beziehung zu den seitlichen knöchernen Strukturen des Beckens sowie zu muskulären und faszialen Anteilen wie dem Musculus obturatorius internus und der Fascia obturatoria.

Auch weitere Haltestrukturen der Gebärmutter spielen eine wichtige Rolle:
- Ligamentum teres uteri
- Ligamentum sacrouterinum
- Ligamentum cardinale
- sowie der Beckenboden
Diese Strukturen sollten möglichst spannungsfrei und symmetrisch beweglich sein, um eine harmonische Gewebeumgebung für die Einnistung zu ermöglichen.
Besonders wichtig sind außerdem die venösen und lymphatischen Abflusswege. Während arterielles Blut aktiv durch den Blutdruck in das Gewebe transportiert wird, benötigen venöses Blut und Lymphe möglichst freie und spannungsarme Verläufe, um zum Herzen zurückgeführt zu werden.
Dabei spielen folgende Strukturen eine zentrale Rolle:
- Plexus venosus uterinus
- Vena uterina
- Vena iliaca communis
- Vena cava inferior
Zurück zu unserer Dirigentin
Die osteopathische Untersuchung ergab keinerlei ossäre oder neurologische Auffälligkeiten, die die Rückenschmerzen erklärt hätten. Auch Statik und Beweglichkeit des Bewegungsapparates waren unauffällig.
Im Bereich des kleinen Beckens zeigten sich jedoch deutliche Spannungen:
- das Ligamentum latum uteri wies eine eingeschränkte Viskoelastizität auf,
- der Beckenboden war einseitig gespannt,
- und der Uterus zeigte eine asymmetrische Positionierung
Diese Befunde ließen vermuten, dass sowohl die lumbalen Beschwerden als auch möglicherweise die erschwerte Einnistung mit den Spannungsmustern im kleinen Becken zusammenhängen könnten.
Auf meine Frage, ob sie einen weiteren IVF-Versuch plane, antwortete sie, dass Kinder ihr größter Lebenswunsch seien. Daher vereinbarten wir weitere Termine während der Hormonphase sowie kurz vor dem geplanten Transfer der Blastozyste.
Ich behandelte die oben beschriebenen Strukturen ausführlich. Und auch wenn es beinahe wie „Jägerlatein“ klingt: Die Patientin wurde tatsächlich schwanger und bekam Drillinge.

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- Video: „Untersuchung Regional globale Tests kleines Becken“
- Video: „Untersuchung kleines Becken Beckenboden“
- Video: „Behandlung kleines Becken Globale Mobilisations Technik“
- Video: „Behandlung kleines Becken Uterus Mobilisations Technik“
- Video: „Behandlung kleines Becken Ligamentum Latum. Mobilisations Technik“
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